BKPJV:Auschluss von drei Initiativ-Mitgliedern

Südostschweiz vom Donnerstag, 23. Juni 2016

Bündner Jäger wollen keine Kritiker mehr in ihren Reihen 

Der Bündner Patentjäger-Verband schliesst drei Mitglieder vom Verband aus, unter ihnen Christian Mathis, SVP-Grossrat und einer der Initianten der Sonderjagdinitiative. Dieser spricht von «Zensur». 

von Reto Furter 

Die Mitteilung vom Bündner Patentjäger-Verband (BKPJV) von gestern war dünn, aber sie hatte es in sich: Die Jäger haben den «Verbandsausschluss von drei Mitgliedern beschlossen». Einer der drei ist Christian Mathis, seit 2014 SVP-Grossrat im Kreis Küblis – und Mitglied im Initiativkomitee der Sonderjagdinitiative, welche die Bündner Sonderjagd abschaffen will. 

Robert Brunold, Präsident des BKPJV, bestätigt den anfangs Juni schon angedrohten Ausschluss von Mathis (Ausgabe vom 7. Juni). Grund für den Ausschluss von Mathis und zwei Mitinitianten, welche nicht namentlich genannt werden, sei unter anderem eine Plakataktion an der letzten Higa gewesen. Ein Zeichen gesetzt «Es war ein schwieriger Entscheid, in diesem Fall war er aber unumgänglich.» 

Jagdgegner seien dort mit einem Plakat mit getöteten Rehen vertreten gewesen, so Brunold – und der Forderung, dass man keine Tierquälerei auf der Jagd wolle. Mathis habe sich in der Folge öffentlich mit diesem Plakat solidarisiert. Und das geht nicht, findet Brunold. Wenn sich Jäger mit solchen Plakaten solidarisierten, dann sei das «verbandsschädigend». Man habe deshalb «ein Zeichen setzen müssen». Ein Ausschluss aus dem Verband sei laut Statuten möglich, wenn man sich «verbandsschädigend verhalte». Die Kritik des Initiativkomitees gegen die Sonderjagd habe sich «radikalisiert»; das Komitee werbe «respektlos, verbands- und jagdschädigend für seine Ziele», wie Brunold ausführte. 

Christian Mathis selbst wirkte auf den Ausschluss gestern ziemlich gefasst. Verbandspräsident Brunold habe einen möglichen Ausschluss ja angetönt, so Mathis. Der Entscheid sei ihm per eingeschriebenem Brief mitgeteilt worden – aber der Ausschluss von drei Sonderjagdgegnern «kommt einer Zensur gleich». Man sehe jetzt hinter das Gesicht des Patentjäger-Verbandes. Es sei schon ein «irrsinniges Zeichen» vom BKPJV, ihn als Heckenschützen zu bezeichnen, sagte Mathis weiter. 

Recht gibt ihm Christian Kasper, FDP-Grossrat und Präsident der parlamentarischen Jägerfraktion. Der Entscheid des BKPJV sei «politisch nicht klug», sagte er gestern. Ein Ausschluss sei «heikel». «Sachbezogene» Kritik erwünscht «Das kommt einer Zensur gleich. Man sieht jetzt hinter das Gesicht des Jäger-Verbandes.» 

Der Vorstand habe sich den Entscheid über den Ausschluss nicht leicht gemacht, sagte Präsident Brunold. «Es war ein schwieriger Entscheid, in diesem Fall war er aber unumgänglich». Jäger müssten sich auf eine Stimme konzentrieren, wenn sie noch gehört werden wollten, wurde anlässlich der letzten Delegiertenversammlung des BKPJV gefordert (Ausgabe vom 23. Mai). Natürlich sei es «von Vorteil, wenn die Jägerschaft gegen aussen geeint auftritt», so Brunold – aber das heisse nicht, dass man andere Meinungen nicht toleriere. Man sei auf die Kritik angewiesen, aber sie müsse «sachbezogen» und «lösungsorientiert» sein. 

Auf einen geeinigten Auftritt wird die Jägerschaft auch weiterhin setzen müssen. Nach wie vor stehen zwei jagdkritische Initiativen im Raum: die Sonderjagdinitiative, welche vom Grossen Rat und vom Verwaltungsgericht für ungültig erklärt worden ist und jetzt beim Bundesgericht hängig ist – und die noch weiter gehende Initiative «für eine naturverträgliche und ethische Jagd». 

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